Begegnungen mit Überlebenden des Holocausts

Marga - Ein Pfad durch die Zeiten/Ma’awar bin semanim

Ausgangspunkt ist der Dokumentarfilm über das Leben der Marga Goren-Gothelf, der 2012 in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz entstanden ist. Grundlage dafür bildet ein Interview mit der Zeitzeugin aus dem Jahr 2010. Der komplette Text wird ins Hebräische übersetzt. Marga Goren-Gothelf wird Ende April für einige Projekttage in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz mit Jugendlichen zusammen eine Dokumentation des gesamten Arbeitsverlaufs des Films seit 2010 erstellen. Anschließend wird der Film mit hebräischen Untertiteln versehen und die Dokumentation in Form eines deutsch-hebräischen Begleithefts fertig gestelltVom 06.09. bis 10.09.2015 planen wir mit der Projektgruppe nach Israel zu fliegen, um an der Aviv- und an der Ostrovsky- Highschool in Ra´anana den Film und das Begleitmaterial zusammen mit der Zeitzeugin zu präsentieren.

Marga wurde im Mai 1925 in Brandenburg an der Havel geboren und 1938 zusammen mit Ihrer Schwester Paula und Mutter Helene Chaja in der sogenannten „Polenaktion“ (Juden und Jüdinnen mit polnischen Pässen wurden des Landes verwiesen) an die polnische Grenze deportiert. Sie kam mit einem Kindertransport nach England und sah ihre Schwester und Mutter nie wieder, deren Spur sich im Warschauer Ghetto verliert. 1947 emigrierte sie in das britische Mandatsgebiet Palästina und wurde nach der Staatsgründung Israel 1948 Lehrerin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Rischon LeZion südlich von Tel Aviv.

In den letzten Jahren war sie mehr als einmal in ihrer Geburtsstadt. Das letzte Mal besuchte sie Brandenburg im Jahr 2013 zur Premiere des Films „…ein Flüchtling hat keine Heimat“, der von ihrem Leben handelt und ein Projekt der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz und der Fachhochschule Brandenburg (Fachbereich Medien) war. Dieser Film wird jetzt mit hebräischen Untertiteln und einer Dokumentation versehen, damit wir ihn in Zukunft auch in deutsch-israelischen Jugendbegegnungen zeigen können.

Das Projekt im Detail

Das Projekt planen wir in einem Zeitraum von acht Monaten. In den ersten drei Monaten wird als Vorbereitung der komplette Text des Dokumentarfilms ins Hebräische übersetzt. Marga Goren-Gothelf wird Ende in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz mit Jugendlichen zusammen eine Dokumentation des gesamten Arbeitsverlaufs seit 2010 erstellen. Anschließend wird der Film untertitelt und die Dokumentation in Form eines deutsch-hebräischen Begleithefts fertig gestellt. Im September planen wir mit der Projektgruppe nach Israel zu fliegen, um an den Aviv- und an der Ostrovsky- Highschools in Ra´anana den Film und das Begleitmaterial zusammen mit der Zeitzeugin zu präsentieren.

Wir möchten den Film mit hebräischen Untertiteln versehen und die Entwicklung zweisprachig dokumentieren, um ihn weitreichender einsetzen zu können. Die Präsentation in Israel gibt dem Projekt den bilateralen Charakter, den auch unsere Arbeit hat. In unserer Begegnungsstätte sind über das Jahr verteilt, viele junge Israelis zu Gast, die sich mit deutschen Jugendlichen treffen und austauschen über ihre Heimat, ihre Zukunft, ihre Hobbys, ihre Familien und deren Geschichten. Der Film wäre eine wunderbare Brücke, um das Thema des Holocaust, die Geschichte Israels, die Verantwortung aus der Geschichte und die Zusammenarbeit in der Zukunft zu bearbeiten. In unserem Fall ist ein besonderer geographischer Bezug gegeben, denn es gibt seit Jahren einen jährlichen Jugendaustausch zwischen der Aviv-Highschool in Ra’anana und dem Saldern-Gymnasium der Stadt Brandenburg an der Havel. Unsere Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene aus Brandenburg und Umland und der Stadt Ra’anana, die an diesen Begegnungsprojekten teilnehmen wollen/werden und/oder sich für diese bilateralen Projekte interessieren.

„Marga Goren-Gothelf…ein Flüchtling hat keine Heimat“ ist ein Dokumentarfilm, der zwischen 2010 und 2012 in der Zusammenarbeit mit Brandenburger Jugendlichen und jungen Erwachsenen und der Zeitzeugin selbst entstanden ist. Die Grundlage dafür bildet ein Gespräch mit ihr aus dem Jahr 2010 und zusätzlichen Recherchen und Textarbeiten der Jugendlichen, die sich für die Lebensgeschichte der Brandenburgerin interessierten. Marga wurde im Oktober 1938 als 13Jährige zusammen mit ihrer Familie an die polnische Grenze deportiert, verbrachte einige Zeit in Neu-Bentschen, kam mit einem Kindertransport nach England, gelangte 1947 nach Marseille, war an der Versorgung der Überlebenden auf der Exodus beteiligt und kam im November 1947 nach Palästina. Im Unabhängigkeitskrieg arbeitete sie als Funkerin und nach der Staatsgründung war sie Lehrerin bis zu ihrer Pensionierung und lebt in Rischon LeZion. Nur sie und Ihre Schwester Friedel überlebten den Holocaust. Ihre Biographie ist exemplarisch für europäisch-jüdische Geschichte. Dieses Zeugnis muss bewahrt und weitergegeben werden. Vor allem aber in einer Form, an der die Teilnehmenden einen eigenen Beitrag leisten und der Umsetzung beteiligt sind.

Unser israelischer Projektpartner ist die Aviv-Highschool in Ra’anana, zu der wir seit Jahren Kontakt im Rahmen der Jugendbegegnung pflegen. Der Brandenburger Verein Ra’anana e.V. ist die Organisation, die zusammen mit dem Landessportbund Brandenburg e.V. bereits seit 10 Jahren Jugendbegegnungen mit dem Staat Israel organisiert.

„Ra´anana e.V.“ entstand aus dieser Initiative: 2008 beschloss der feste Organisationskern der Jugendbegegnungsmaßnahmen einen eigenen Verein für den deutsch-israelischen Austausch in der Stadt und darüber hinaus zu gründen. Die Kooperationen mit dem Stadtsportbund und der Landes- und Stadtsportjugend beibehaltend, sollte das Aufgabenfeld auf andere Länder und Projektformen erweitert werden. Der Name des Vereins ist der Ort an dem alles begann: Ra´anana. Hinzu kommt die Fachhochschule Brandenburg, die uns bei der technischen Umsetzung des Projekts begleitet.