Begegnungen mit Überlebenden des Holocausts

Begegnung mit Überlebenden den Holocaust

Begegnung der Generationen 2.0

Vor knapp 6 Jahren trafen sich in der Stiftung Begegnungsstätte Schloss Gollwitz das erste Mal 3 israelische Großeltern-Enkel-Paare mit 3 deutschen Großeltern-Enkel-Paaren. Unter dem Projektnamen „Tandem-Projekt“ lernten sich die Zeitzeugen und Jugendlichen im Jahre 2013 kennen.

Am Anfang waren die Teilnehmer noch etwas zurückhaltend. – Worüber sollte man sich unterhalten? Was durfte oder sollte man besser nicht sagen? – Doch schnell war diese Blockade überwunden und man kam miteinander ins Gespräch. Die Teilnehmenden unternahmen Ausflüge, verbrachten gemeinsam die Abende im Schloss und wurden schnell gute Freunde. George Shefi, ein Überlebender des Holocausts, sagte selbst, dass er noch niemals „zwei Gruppen von Menschen unterschiedlicher Herkunft sich nach nur fünf Tagen mit Tränen und in echter Freundschaft [hat] trennen sehen“[1] . Alle waren von dieser Begegnung so begeistert, dass sie auf eine Wiederholung hofften.

So sollen sie dieses Jahr wieder zusammenkommen, zumindest einige von ihnen. Aufgrund der vergangenen Zeit ist es natürlich nicht möglich, dass alle ehemaligen Teilnehmenden kommen. Dennoch treffen sich diejenigen, die kommen können, diesen Frühling im Schloss Gollwitz um sich wieder zu sehen, die alten Tage Revue passieren zu lassen und Zeit miteinander zu verbringen. Vor allem soll bei dieser Begegnung überlegt werden, wie man die Erfahrungen der Zeitzeugen einfangen kann, um sie für spätere Generationen, die nicht mehr die Ehre haben persönlich mit Zeitzeugen sprechen zu können, aufzubewahren.

Als Teil dessen soll diese Begegnung und besonders hervorgehoben Georges Gespräch mit den Schülern, filmisch dokumentiert werden.

 

[1] „Das Tandem-Projekt – Deutsch-israelische Begegnung der Generationen“ Eine Dokumentation der AMCHA-Stiftung Deutschland. S.3.

Das Projekt im Detail

Die Begegnung der Generationen „Das Tandem- Projekt“ brachte drei Großeltern- Enkel Paare aus Israel mit 3 Großeltern- Enkelpaaren aus Deutschland, vorwiegend aus der Region Berlin-Brandenburg, für eine gemeinsame Woche zusammen.

Die drei Großeltern aus Israel sind in Deutschland geboren und haben als Kinder den Holocaust erlebt. Sie sind Klienten von Amcha-Israel, einer Organisation, die in 13 Zentren psychosoziale Betreuung bietet und Anlaufstelle für Holocaustüberlebende ist. Ausgehend von der Begegnungsstätte Gollwitz, in der alle gemeinsam wohnten, unternahm die Gruppe Ausflüge zu den Stätten der Kindheit, besuchte das evangelische Gymnasium Kleinmachnow und führte dort Zeitzeugengespräche mit verschiedenen Klassenstufen. Die Schüler zeigten sich stark beeindruckt, wieviel Lebensfreude die Zeitzeugen trotz des erlebten Leids ausstrahlten.

Durch die gemeinsamen Erlebnisse wuchs die Gruppe zusammen. Das Interesse für die jeweiligen Biographien der Deutschen und der Israelis innerhalb, aber auch zwischen den Generationen war groß. Die Enkel erlebten ihre Großeltern in einem anderen Kontext und hörten sie zum Teil das erste Mal über ihre Vergangenheit reden. Malte aus Kleinmachnow: „Es ist das erste Mal, dass meine Großmutter so über ihre Vergangenheit spricht, bisher meinte Sie immer, Sie hätte nichts zu berichten“.

Richard Hirshhorn erzählte seine Lebensgeschichte zum ersten Mal in deutscher Sprache in Deutschland: “Ich finde es großartig, dass man sich in Deutschland so mit der Vergangenheit beschäftigt und solche Projekte macht, deshalb spreche ich hier zum ersten Mal auch auf Deutsch“. Sein Enkel Adar: „Nächstes Jahr will ich wiederkommen“.

Das Projekt wurde von der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz und der AMCHA-Stiftung Deutschland organisiert & durchgeführt; gefördert durch: F.C. Flick Stiftung & Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Marga - Ein Pfad durch die Zeiten/Ma’awar bin semanim

Ausgangspunkt ist der Dokumentarfilm über das Leben der Marga Goren-Gothelf, der 2012 in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz entstanden ist. Grundlage dafür bildet ein Interview mit der Zeitzeugin aus dem Jahr 2010. Der komplette Text wird ins Hebräische übersetzt. Marga Goren-Gothelf wird Ende April für einige Projekttage in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz mit Jugendlichen zusammen eine Dokumentation des gesamten Arbeitsverlaufs des Films seit 2010 erstellen. Anschließend wird der Film mit hebräischen Untertiteln versehen und die Dokumentation in Form eines deutsch-hebräischen Begleithefts fertig gestelltVom 06.09. bis 10.09.2015 planen wir mit der Projektgruppe nach Israel zu fliegen, um an der Aviv- und an der Ostrovsky- Highschool in Ra´anana den Film und das Begleitmaterial zusammen mit der Zeitzeugin zu präsentieren.

Marga wurde im Mai 1925 in Brandenburg an der Havel geboren und 1938 zusammen mit Ihrer Schwester Paula und Mutter Helene Chaja in der sogenannten „Polenaktion“ (Juden und Jüdinnen mit polnischen Pässen wurden des Landes verwiesen) an die polnische Grenze deportiert. Sie kam mit einem Kindertransport nach England und sah ihre Schwester und Mutter nie wieder, deren Spur sich im Warschauer Ghetto verliert. 1947 emigrierte sie in das britische Mandatsgebiet Palästina und wurde nach der Staatsgründung Israel 1948 Lehrerin. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Rischon LeZion südlich von Tel Aviv.

In den letzten Jahren war sie mehr als einmal in ihrer Geburtsstadt. Das letzte Mal besuchte sie Brandenburg im Jahr 2013 zur Premiere des Films „…ein Flüchtling hat keine Heimat“, der von ihrem Leben handelt und ein Projekt der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz und der Fachhochschule Brandenburg (Fachbereich Medien) war. Dieser Film wird jetzt mit hebräischen Untertiteln und einer Dokumentation versehen, damit wir ihn in Zukunft auch in deutsch-israelischen Jugendbegegnungen zeigen können.

Das Projekt im Detail

Das Projekt planen wir in einem Zeitraum von acht Monaten. In den ersten drei Monaten wird als Vorbereitung der komplette Text des Dokumentarfilms ins Hebräische übersetzt. Marga Goren-Gothelf wird Ende in der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz mit Jugendlichen zusammen eine Dokumentation des gesamten Arbeitsverlaufs seit 2010 erstellen. Anschließend wird der Film untertitelt und die Dokumentation in Form eines deutsch-hebräischen Begleithefts fertig gestellt. Im September planen wir mit der Projektgruppe nach Israel zu fliegen, um an den Aviv- und an der Ostrovsky- Highschools in Ra´anana den Film und das Begleitmaterial zusammen mit der Zeitzeugin zu präsentieren.

Wir möchten den Film mit hebräischen Untertiteln versehen und die Entwicklung zweisprachig dokumentieren, um ihn weitreichender einsetzen zu können. Die Präsentation in Israel gibt dem Projekt den bilateralen Charakter, den auch unsere Arbeit hat. In unserer Begegnungsstätte sind über das Jahr verteilt, viele junge Israelis zu Gast, die sich mit deutschen Jugendlichen treffen und austauschen über ihre Heimat, ihre Zukunft, ihre Hobbys, ihre Familien und deren Geschichten. Der Film wäre eine wunderbare Brücke, um das Thema des Holocaust, die Geschichte Israels, die Verantwortung aus der Geschichte und die Zusammenarbeit in der Zukunft zu bearbeiten. In unserem Fall ist ein besonderer geographischer Bezug gegeben, denn es gibt seit Jahren einen jährlichen Jugendaustausch zwischen der Aviv-Highschool in Ra’anana und dem Saldern-Gymnasium der Stadt Brandenburg an der Havel. Unsere Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene aus Brandenburg und Umland und der Stadt Ra’anana, die an diesen Begegnungsprojekten teilnehmen wollen/werden und/oder sich für diese bilateralen Projekte interessieren.

„Marga Goren-Gothelf…ein Flüchtling hat keine Heimat“ ist ein Dokumentarfilm, der zwischen 2010 und 2012 in der Zusammenarbeit mit Brandenburger Jugendlichen und jungen Erwachsenen und der Zeitzeugin selbst entstanden ist. Die Grundlage dafür bildet ein Gespräch mit ihr aus dem Jahr 2010 und zusätzlichen Recherchen und Textarbeiten der Jugendlichen, die sich für die Lebensgeschichte der Brandenburgerin interessierten. Marga wurde im Oktober 1938 als 13Jährige zusammen mit ihrer Familie an die polnische Grenze deportiert, verbrachte einige Zeit in Neu-Bentschen, kam mit einem Kindertransport nach England, gelangte 1947 nach Marseille, war an der Versorgung der Überlebenden auf der Exodus beteiligt und kam im November 1947 nach Palästina. Im Unabhängigkeitskrieg arbeitete sie als Funkerin und nach der Staatsgründung war sie Lehrerin bis zu ihrer Pensionierung und lebt in Rischon LeZion. Nur sie und Ihre Schwester Friedel überlebten den Holocaust. Ihre Biographie ist exemplarisch für europäisch-jüdische Geschichte. Dieses Zeugnis muss bewahrt und weitergegeben werden. Vor allem aber in einer Form, an der die Teilnehmenden einen eigenen Beitrag leisten und der Umsetzung beteiligt sind.

Unser israelischer Projektpartner ist die Aviv-Highschool in Ra’anana, zu der wir seit Jahren Kontakt im Rahmen der Jugendbegegnung pflegen. Der Brandenburger Verein Ra’anana e.V. ist die Organisation, die zusammen mit dem Landessportbund Brandenburg e.V. bereits seit 10 Jahren Jugendbegegnungen mit dem Staat Israel organisiert.

„Ra´anana e.V.“ entstand aus dieser Initiative: 2008 beschloss der feste Organisationskern der Jugendbegegnungsmaßnahmen einen eigenen Verein für den deutsch-israelischen Austausch in der Stadt und darüber hinaus zu gründen. Die Kooperationen mit dem Stadtsportbund und der Landes- und Stadtsportjugend beibehaltend, sollte das Aufgabenfeld auf andere Länder und Projektformen erweitert werden. Der Name des Vereins ist der Ort an dem alles begann: Ra´anana. Hinzu kommt die Fachhochschule Brandenburg, die uns bei der technischen Umsetzung des Projekts begleitet.