Ist-Standsanalyse der Brandenburger Jugendgremien – ein Projektbericht

Obwohl es in Brandenburg schon seit langem Kinder– und Jugendgremien (zu den ältesten Gremien zählt beispielsweise der KiJuPa Rathenow mit dem Gründungsjahr 2003) gibt, nahm ihre Anzahl seit der Einführung des §18a BbgKVerf kontinuierlich zu. Derzeit zählt das Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg über 40 aktive und sich in Gründung befindende Kinder - und Jugendgremien in Brandenburg: Kinder- und Jugendbeiräte, Kinder- und Jugendparlamente und ähnliche Strukturen in Brandenburger Kommunen. Im Zuge der Vernetzung der Kinder- und Jugendgremien in Brandenburg wurde deutlich, dass die Ausgangslagen und Strukturen der Kinder- und Jugendgremien in Brandenburg sehr unterschiedlich sind und es einen hohen Bedarf an Beratung, Unterstützung und Qualifizierung gibt.

Im Rahmen des Projektes „Ist-Standsanalyse Brandenburger Jugendgremien“ wurde eine umfassende Analyse zu den Strukturen, Rahmenbedingungen, Themen, Herausforderungen und Bedarfen der Kinder- und Jugendgremien sowie deren begleitenden Fachkräften aus Jugendarbeit und Verwaltung durchgeführt. 

Zunächst wurden gemeinsam mit Vertreter*innen der Gremien interessante Themenfelder herausgearbeitet und Fragen entwickelt. Dabei war wichtig, dass nicht "nur" die für Fachexpert*innen interessanten Themenbereiche Berücksichtigung finden, sondern durch die aktive Einbindung einzelner Vertreter*innen der Gremien auch ihre Fragen, Interesse und damit Bedarfe der Klärung mit aufgenommen werden. Darauf aufbauend wurden zwei Fragebögen konzipiert; einer für die jungen Menschen und einer für die begleitenden Fachkräfte aus Verwaltung und Jugendarbeit. Im Zuge einer Testphase unter 5 Jugendgremien und einer begleitenden Fachkraft wurde die Fragbögen nochmal auf Verständlichkeit für die Zielgruppe überprüft.

An der Online-Umfrage (vom 10.11. bis 17.12.2021) nahmen insgesamt 30 Jugendgremien und 27 Fachkräfte aus 13 Landkreisen teil. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Kinder- und Jugendgremien in Brandenburg unterschiedliche Ausgangslagen und Strukturen haben. Von der Anzahl und der Alterspanne der Mitglieder, über die Voraussetzungen der Mitgliedschaft (z.B. Alter, Einwohner*in der Kommune, „einfach dabei sein“) hin zur Ausstattung (technisch und finanziell) sind die Strukturen unterschiedlich. 22 Jugendgremien geben beispielsweise an, dass sie über ein eigenes Budget verfügen – jedoch variiert die Höhe in einer Spanne zwischen 500€ bis 10.000€ pro Jahr.

Auch die Einbettung in den kommunalpolitischen Kontext wird unterschiedlich betrachtet und zeigt, dass in einige Kommune der Bedarf zur Klärung der Rolle des Gremiums hinsichtlich Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung, Rechten, Einbeziehung in kommunalpolitische Prozesse groß ist. Gemeinsam ist der Wunsch nach einem Antragsrecht für die Kinder- und Jugendgremien (100% Ja-Stimmen bei der Beantwortung der Frage; einige Jugendgremien verfügen bereits über eins). Das Verhältnis zu den begleitenden Fachkräften wird überwiegend als positiv und auf Augenhöhe eingeschätzt. Die Befragung unter den begleitenden Fachkräften (26 hauptamtlich und 1 ehrenamtlich) zeigt auch die unterschiedlichen Voraussetzungen auf der strukturellen Seite (Aufgabengebiet, Stellenanteile für die Begleitung des Kinder- und Jugendgremiums usw.). Knapp 74% der Befragten sehen eine ihrer kontinuierlichen Aufgaben in der Vermittlung zwischen SVV/GV, Verwaltung und Gremium.

Mithilfe der Ergebnisse gilt es nun – gemeinsam mit allen Beteiligten - weitere an den Bedarfen der Kinder- und Jugendgremien und begleitenden Fachkräften ausgerichteten Unterstützungsangebote in Form von Empfehlungen, Qualifizierungen und Broschüren zu entwickeln, die die Beteiligung von jungen Menschen – insbesondere in Kinder- und Jugendgremien - in den Kommunen stärken.

Die „Ist-Standsanalyse Jugendgremien Brandenburg 2021“ ist ein Projekt der Stiftung Begegnungsstätte Gollwitz in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg.

Das Projekt wurde gefördert durch das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. und durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg im Rahmen des Förderfonds „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Demokratie und Wahlen“.